Autor*in

Irene Pabst

veröffentlicht am

Wir übernehmen Verantwortung – und laden Euch ein, Euch uns anzuschließen.

Der Evangelische Fachverband für Frauengesundheit e.V. (EVA) hat 10.000 € für die Bewegung „100.000 Mütter vor dem Brandenburger Tor“ gespendet.
Wir setzen damit ein Zeichen:
Die Gesundheit von Müttern ist keine private Angelegenheit.
Sie ist eine gesellschaftliche Aufgabe – und eine Frage von Verantwortung für Verbände, Unternehmen und Organisationen.

Wir handeln,
weil Mütter den überwiegenden Teil der unbezahlten Sorgearbeit leisten,
weil ihre physische und psychische Gesundheit darunter leidet
und weil sich die strukturellen Rahmenbedingungen für Familien dringend verbessern müssen.

Wer Verantwortung für Menschen übernimmt – als Arbeitgeber, als Verband oder als gesellschaftlicher Akteur – trägt auch Verantwortung für die Bedingungen, unter denen Care-Arbeit geleistet wird.

Die Befunde zur gesundheitlichen Situation von Müttern sind eindeutig – und sie betreffen unsere gesamte Gesellschaft.


Die gesundheitliche Situation von Müttern ist besorgniserregend

Mental Load und ungleich verteilte Sorgearbeit machen krank.

Mütter leiden laut dem Gesundheitsreport der hkk von 2025 deutlich häufiger unter körperlichen Beschwerden und psychischen Belastungen als Väter.

  • 82 % der Mütter berichten von körperlichen Beschwerden
    (im Vergleich zu 65 % der Väter)
  • 31 % der Mütter berichten von psychischen Belastungen
    (im Vergleich zu 16 % der Väter)
  • 52 % der Mütter geben an, häufig unter körperlichen Schmerzen zu leiden
  • 31 % fühlen sich regelmäßig nervös, ängstlich oder gereizt

Diese Zahlen stehen nicht für individuelles Versagen.
Sie sind Ausdruck struktureller Überlastung.

Ein zentraler Grund liegt in der ungleichen Verteilung der Aufgaben im Familienalltag.

Mütter kümmern sich überwiegend oder ausschließlich:

  • um die Wäsche (81 %)
  • um das Putzen (69 %)
  • um das Kochen (61 %)
  • um das Einkaufen (66 %)

Darüber hinaus übernehmen Mütter den Großteil der organisatorischen Verantwortung im Familienalltag – häufig zwischen 80 und 90 % der sogenannten Mental-Load-Aufgaben.

Dazu gehören unter anderem:

  • Arzttermine koordinieren
  • Geburtstagsgeschenke organisieren
  • Kleidung für Kinder besorgen
  • Kita- und Schulangelegenheiten regeln

Diese permanente Verantwortung erschwert das Abschalten, verhindert notwendige Regeneration und wirkt sich langfristig negativ auf die Gesundheit aus.

  • 53 % der Mütter können gedanklich nicht abschalten
  • 30 % fühlen sich häufig überfordert

Viele Mütter sind gleichzeitig berufstätig und tragen zusätzlich Verantwortung in ihren Familien.


Mutterschaft ist ein gesundheitlicher Risikofaktor – wenn Unterstützung fehlt

Die mentale und physische Gesundheit von Müttern verschlechtert sich messbar innerhalb der ersten Jahre nach der Geburt.

Studien zeigen:

  • Vier Jahre nach der Geburt liegt die Verordnung von Antidepressiva
    40 % höher als vor der Schwangerschaft
  • Das Risiko für Depressionen ist 8 % höher
  • Das Risiko für Schlafstörungen ist 18 % höher
  • Die Verschreibung von Schmerzmitteln steigt um 30 %
  • Die Verschreibung von Antibiotika steigt um 34 %
  • Das Risiko für Adipositas liegt 41 % höher als vor der Geburt.

Diese Entwicklungen sind kein individuelles Schicksal.
Sie sind das Ergebnis struktureller Belastung – und mangelnder Entlastungssysteme.

Eine Gesellschaft, die auf Care-Arbeit angewiesen ist,
muss auch Verantwortung für die Gesundheit derjenigen übernehmen, die sie leisten.


Was jetzt notwendig ist

Ein gerechtes Gesundheitssystem erkennt die Belastungen durch Care-Arbeit frühzeitig, beugt gesundheitlichen Risiken vor und schafft verlässliche Unterstützungsstrukturen.

Deshalb fordern wir gemeinsam mit der Bewegung 100.000 Mütter:

  • gezielte Entlastungssysteme für Care-Arbeitende
  • flächendeckende Mutter-Kind-Angebote in stationären medizinischen Einrichtungen
  • eine Stärkung präventiver und beratender Angebote für Mütter
  • die Einführung eines nationalen Gesundheitsziels „Müttergesundheit“, um Bedarfe systematisch zu erfassen und Versorgungsangebote weiterzuentwickeln

Diese Maßnahmen sind keine Sonderleistungen.
Sie sind Investitionen in Gesundheit, Teilhabe und gesellschaftliche Stabilität.


Jetzt ist die Zeit für gemeinsames Handeln

Wir spenden für die Bewegung „100.000 Mütter vor dem Brandenburger Tor“,
damit die Demonstration am 9. Mai stattfinden kann –
und damit die gesundheitlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen von Müttern sichtbar werden.

Unsere Spende ist ein Anfang.
Die gesellschaftliche Wirkung entsteht, wenn viele Institutionen gemeinsam handeln.

Deshalb laden wir Sie als Verband, Unternehmen oder Organisation ein:

  • Schließen Sie sich unserer Spende an.
  • Setzen Sie ein sichtbares Zeichen für die Gesundheit von Müttern.
  • Übernehmen Sie Verantwortung für die gesellschaftlichen Bedingungen von Care-Arbeit.

Jede institutionelle Unterstützung zeigt:
Die Gesundheit von Müttern ist ein Thema der gesamten Gesellschaft. 👉 Unterstützen Sie die Bewegung „100.000 Mütter“ mit Ihrer Spende oder Partnerschaft.
Damit aus Verantwortung gemeinsames Handeln wird. Hier Spenden.


Quellen: hkk Gesundheitsreport 2025: Mental Load und Müttergesundheit. Ergebnisse einer repräsentativen forsa-Befragung von Müttern und Vätern im Auftrag der hkk, Bremen 2025, https://assets.hkk.de/fileadmin/dateien/allgemeines_uebergeordnet/reports/gesundheitsreports/2025/251013_hkk_gesundheitsreport-mental-load_2025_a4_09.25_1.4.pdfDehos, Fabian T. / Paul, Marie / Schäfer, Wiebke / Süß, Karolin (2024): Time of Change: Health Effects of Motherhood. Ruhr Economic Papers #1079. Online: https://www.rwi-essen.de/fileadmin/user_upload/RWI/Publikationen/Ruhr_Economic_Papers/REP_24_1079.pdf

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