Autor*in

Manja Liehr

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Heute vor 10 Jahren wurde mein Leben in „davor“ und „danach“ geteilt.

Nichts war danach mehr so wie vorher.

Am 8. April 2016 hat mich ein Arzt mit den Worten ins Wochenende geschickt:
„Nutzen Sie jeden Tag, den Sie noch haben. Ihr Tumor ist hochaggressiv und bereits über 7 cm groß. Diese Art von Krebs streut gewöhnlich ab einer Größe von 3 cm. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Sie bereits Metastasen haben.“
Ich saß dort wie in einem Film. Danach bin ich zurück ins Büro gefahren und habe einfach weitergearbeitet. Erst abends im Bett, als mein damals 2,5-jähriger Sohn und meine gerade ein Jahr alt gewordene Tochter bei mir lagen, habe ich wirklich realisiert, was mir da gesagt wurde. Ich hatte die erste Panikattacke meines Lebens.
Dass ich heute hier sitze und gesund bin, ist ein Wunder. Und natürlich auch der modernen Medizin zu verdanken.
Seitdem fühle ich mich einerseits unbesiegbar – und habe gleichzeitig immer noch Todesangst. Diese Gleichzeitigkeit halte ich oft schwer aus, und deshalb sind meine Gedanken manchmal düster. Schöne Momente kann ich oft nur halb genießen.

Trotzdem bin ich dankbar für den „Danach“-Abschnitt.
Er hat mir viel Gutes gebracht – vor allem eine radikale Klarheit darüber, was mir wichtig ist.
Mit wem ich meine Zeit verbringen will.
Manchmal bin ich darin kompromisslos.
Und ich muss mir immer wieder sagen, dass Selbstfürsorge nichts mit Egoismus zu tun hat.

Ich habe festgestellt, dass selbst enge Freunde bis heute nur schwer nachvollziehen können, was damals eigentlich mit mir passiert ist.
Von außen sah es oft so „easy“ aus – weil ich immer positiv war. Und weil ich heute wieder gesund bin. Aber es war und ist hart.
Was mich da durchgetragen hat? In erster Linie meine Kinder.
Zu sterben war einfach keine Option. Nie.
Ich will die beiden groß werden sehen – und erst gehen müssen, wenn ich weiß, dass sie ab da ohne mich weitermachen können.

Bis dahin bleibe ich hier.
fckcncr

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